Nach dem Ramadan sind Feiertage. Wir wollten nach Dahab gefahren ans Rote Meer. Es gab keine Fluege mehr. Ok, fahren wir mit dem Bus. Oh wie waren wir naiv.
Es gab verschiedene Optionen. Entweder von Alex nach Sharm und dann nach Dahab oder von Alex nach Kairo mit dem Zug und dann direkt nach Dahab. Wir Idioten haben uns für Option 2 entschieden, weil wir da noch nicht wussten, dass man sich besser an Superjet halten sollte.
In Alexandria gibt es zwei Bahnhöfe. Unsrer war Sidi Gebr. Wir sind von Sidi Gebr zum Hauptbahnhof von Kairo – Mahattet Ramsis. Das hat an die 2,5 Stunden gedauert. Dann sind wir mit dem Taxi nach Almaza dem Busbahnhof in Heliopolis. Das hat etwa eine Stunde gedauert. Dort haben wir ein paar Stunden auf unseren Bus gewartet. Wir waren deutsch-überpünktlich, der Bus war ägyptisch. Wir hatten ungefähr eine Stunde Verspätung, als wir endlich im Bus saßen, sind wir sofort eingeschlafen. Wir waren drei Mädels. Irgendwann werden wir wach und realisieren, dass sich der Bus nicht mehr bewegt. Motorschaden. Wir haben gedacht, dass sie wahrscheinlich die Busgesellschaft anrufen werden und wir einen Ersatzbus bekommen. Oh wie waren wir naiv.Vier Stunden standen wir in der Wüste. Die wahrscheinlich wissenden Ägypter haben sich sofort aklimatisiert, Geäst zusammen getragen und ein Feuer geschürt. In der Wüste ist es verdammt kalt und die Türen des Busses waren die meiste Zeit offen.
Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob uns ein anderer Bus aufgesammelt hat oder der Motor repariert wurde – dies war nicht die einzige Buspanne meiner Ägyptenkarriere, deswegen konvergieren die Erlebnisse.
Es ging endlich weiter. Unsere Wohnung in Alexandria hatten wir gegen sechs Uhr abends verlassen. Mittlerweile war es fünf oder sechs Uhr morgens. Wir wollen einfach nur noch schlafen. Eingepfercht in einen Bus mit stinkenden Ägypter. Ich habe nichts gegen Ägypter und sie stinken auch nicht alle. Wenn sie allerdings stinken, darf ich das äußern, ich saß schließlich eine halbe Ewigkeit in dem verdammten Bus.
Wir wollten also schlafen. Wir waren wie erschlagen und konnten die Augen kaum noch offen halten, aber schlafen durften wir nicht. Obligatorisch auf ägyptischen Busfahrten ist ein ägyptischer Film. Meistens eine unglaublich kitschige ägyptische Komödie auf voller Lautstärke. So ein Film dauert ja Gott sei Dank nicht länger als zwei Stunden. Wir waren so naiv. Nach zwei Stunden legte der Busfahrer den Koran auf – wieder volle Lautstärke.
Dahab liegt nördlich von Sharm Elsheikh auf der Sinai-Halbinsel. Im Frühjar 2006 gab es in Dahab Bombenanschläge mit Toten. Weil der Sinai geographisch nahe an Israel liegt und vielleicht auch wegen der Bombenanschläge gibt es ständig Check-Points. Ägyptische Soldaten oder Polizisten oder irgendwelche anderen Empfänger von lächerlichen Staatssalären springen alle schießlang in den Bus und kontrollieren mit wildem Gesichtsausdruck die Pässe der Reisenden. Einer hat sogar meine Kekse kontrolliert.
Die eine Woche Strand in Dahab brauchten wir dann als Erholung von der Busfahrt. Dahab ist ein Backpacker-Touri-Ort. Alle kiffen und sind extrem gechillt. Ins Wasser kann man nur mit Schuhen, weil der Strand voller kleiner Steine ist. Alles in allem ist Dahab ganz ok, aber nicht wirklich mein Fall.